100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit

Begrüßungsrede von Gernot Erler, gehalten am 21. September 2007 

 

Sehr geehrter Herr Professor Burchard,
sehr geehrter Herr Dr. Ridley,
sehr geehrter Herr Generalarzt Dr. Roßlau,
lieber Herr Dr. Winkler,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich heiße Sie im Weltsaal des Auswärtigen Amts herzlich willkommen!

Ganz besonders möchte ich auch die vielen Alumni des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bei uns willkommen heißen, die an dieser Veranstaltung teilnehmen!

Es ist das erste Mal, dass Sie, das heißt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit, in unserem Haus ihre Jahrestagung abhält und dazu noch eine ganz Besondere: 100 Jahre DTG, 100 Jahre deutsche Tropenmedizin.

Damit gehört Ihre Fachgesellschaft zu den ältesten und wichtigsten Fachgesellschaften in Europa.

Nachfolgende Vortragende werden sicherlich auf die Gründung die DTG am 25. September 1907 detailliert eingehen. Da das Auswärtige Amt zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen größeren administrativen Einfluss auf die sich entwickelnde Tropenmedizin in Deutschland hatte, erlauben Sie mir folgenden historischen Rückblick:

Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft, ist sicherlich nicht denkbar ohne die Gründung des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg am 1. Oktober 1900. An dieser Entscheidung, dieses Institut in Hamburg zu gründen, war das Auswärtige Amt, hier seine Kolonialabteilung maßgeblich beteiligt. Der zuständige Abteilungsleiter von Buchka teilte 1899 dem Hamburger Senat mit: "Die Einrichtung eines tropenmedizinischen Gesundheitsamtes ist notwendig, die Einrichtung desselben in Hamburg in Verbindung mit dem dortigen Seemannskrankenhaus ist zweckmäßig."

Der damalige Direktor dieses Instituts, Dr. Bernhard Nocht, war die treibende Kraft zur Gründung der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft, die auf dem 14. Internationalen Kongress für Hygiene und Demografie in Berlin ins Leben gerufen wurde.

Die Aufgaben dieses neu gegründeten Instituts waren die Behandlung und Erforschung von Tropenkrankheiten sowie die Ausbildung von Ärzten für den "Tropendienst" in den deutschen Kolonien.

Diesen Kolonialärzten oblag die medizinische Versorgung der deutschen Kolonialbeamten, der Soldaten der Schutztruppe, anderer Deutscher in den Kolonien, wie z.B. Händler und Missionare sowie die medizinische Versorgung der indigenen Bevölkerung, um diese als Arbeitskräfte z.B. auf den neu gegründeten Plantagen einsetzen zu können.

Neben Forschung und Lehre sowie der Krankenversorgung war auch der arbeitsmedizinische Aspekt eine ärztliche Aufgabe, die von Anfang an in der deutschen Tropenmedizin definiert war.

Auf diesem Feld der "Arbeitsmedizin in den Tropen" ist auch unser Gesundheitsdienst, d.h. der arbeitsmedizinische Dienst des Auswärtigen Amts seit übrigens exakt 40 Jahren tätig.

Ja, 1967 wurde der erste Arzt für personal- und betriebsärztliche Aufgaben ins Auswärtige Amt einberufen. Unser Dienst gehört sicherlich zu den großen tropenmedizinischen Institutionen in Deutschland, insbesondere, wenn man von der Anzahl der hier tätigen Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung "Tropenmedizin" ausgeht. Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts agiert im In- und Ausland, insgesamt sind 16 Ärztinnen und Ärzte hier tätig, 9 als Regionalärztinnen und -ärzte im Ausland. Dieser große betriebsärztliche Dienst ist für die Versorgung der fast 8.000 Beschäftigten des Auswärtigen Amts weitestgehend zuständig. Insbesondere natürlich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Regionen der Welt, die besonders klimatisch belastet sind, in denen tropische Infektionskrankungen vermehrt vorkommen, in denen die medizinische Infrastruktur nicht immer ausreichend ist, die durch Umwelteinflüsse besonders belastet sind und auch da, wo Krieg, Terror, und Kriminalität das Leben unserer Mitarbeiter aber auch deren Familien sehr einschränkt und gefährlich macht.

Unsere Regionalärzte sammeln Daten zur medizinischen Infrastruktur an ca. 150 deutschen Auslandsvertretungen für die sie zuständig sind, sie evaluieren die besonderen Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ausland, aber auch die Einschätzung der Lebensbedingungen der Familienangehörigen sind Aufgaben ihrer zahlreichen Dienstreisen - das verstehen wir unter "Fürsorgepflicht des Dienstherren"!

Eine weitere Aufgabe unserer Ärzte im Ausland ist auch die Pflege des örtlich angestellten Personals, hier werden medizinische Untersuchungen, ein angepasstes Impfprogramm, aber auch Therapien für an AIDS erkrankte lokale Mitarbeiter angeboten.

Die Erkenntnisse unseres Dienstes zur medizinischen Infrastruktur im Ausland versickern nicht in den zahlreichen Büros des Ministeriums hier, diese Daten werden auch der Öffentlichkeit, insbesondere reise- und tropenmedizinisch interessierten Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung gestellt. Ein Forum z.B. ist das schon seit langem bestehende "Symposium für Reise und Impfmedizin - Internationale Gesundheit", das im Frühjahr 2008 zum 13. Mal im Auswärtigen Amt, hier an gleicher Stelle stattfindet.

Darüber hinaus sind in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts, die per Internet abrufbar sind, für alle 245 Dienstorte, an denen wir Auslandsvertretungen haben, auch medizinische Hinweise aufgeführt, die für Reisende, aber auch für Reisemediziner interessant sein können.

Krankenkassen, die Reiseimpfungen für ihre Mitglieder erstatten, verweisen häufig auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, wenn es darum geht, die Notwendigkeit, d.h. die Indikation für die Impfung zu belegen.

Weltweit reisende deutsche Staatsbürger bedeuten für unsere Auslandsvertretungen auch "Kunden" weltweit, die z.B. ihren Pass verloren haben, die aber auch schwer erkrankt sein können oder Opfer von Naturkatastrophen, aber auch von Gewaltverbrechen geworden sind.

Beim Tsunami in Südostasien im Jahre 2005, aber auch beim Libanonkonflikt im letzten Jahr - hier wurden ca. 6.500 deutsche Staatsbürger in sehr kurzer Zeit evakuiert - halfen die deutschen Botschaften, aber auch die Ärzte des Gesundheitsdienstes!

Ein international agierender medizinischer Dienst, der sich in einem Fachgebiet tummelt, das zu denen gehört, weswegen die deutsche Tropenmedizin vor 100 Jahren institutionalisiert wurde und dazu noch ein Ministerium, das vor 100 Jahren mindestens Taufpate bei der Gründung des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg war, sind sicherlich gute Gastgeber für eine altehrwürdige Fachgesellschaft, die - und darauf sind wir im Auswärtigen Amt besonders stolz - ihre 100. Jahrestagung bei uns im Auswärtigen Amt abhält.

Besonders freut es mich, dass der Deutsche Akademische Austauschdienst es ermöglicht hat, dass Ärztinnen und Ärzte, die hier in Deutschland ausgebildet wurden und wieder in ihre tropische Heimatländer zurückgekehrt sind, Gelegenheit haben, an diesem Kongress teilzunehmen. Sie, die sich als Ärzte täglich mit Infektionskrankheiten beruflich auseinandersetzen müssen, können am besten beurteilen, dass die deutsche Tropenmedizin in ihrer 100-jährigen Geschichte bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse hervorgebracht hat, die besonders auch Ihren Patienten zugute kamen.

In Zeiten von Globalisierung, Ferntourismus und Migration allerdings sind auch wir in Deutschland eher in zunehmendem Maße betroffen, uns mit exotischen, vielleicht sogar neuen Erregern zu infizieren. Forschung auf dem Gebiet tropischer Erkrankungen waren und sind sicherlich zukünftig verstärkt notwendig, um diesen Bedrohungen zu begegnen. In Kenntnis ihres umfangreichen Kongressprogramms allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass Sie mit Ihren Forschungen unverändert einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Tropenmedizin, an der auch das Auswärtige Amt und seine Mitarbeiter ein großes Interesse haben, von Ihren Vorträgen, Postervorstellungen aber auch von Ihren Diskussionen profitieren wird.

Ich wünsche Ihnen, den Alumni des DAAD aber auch Ihnen allen, den Teilnehmern der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit einen erfolgreichen Kongressverlauf, fruchtbare Diskussionen, einen großen Informationsgewinn aber auch ein gutes Miteinander und schöne Tage in Berlin!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!